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Jahre Bücherbummel auf der KÖ
Dass ihre im Jahre 1985 als einmalig
geplante Aktion einen solchen Nachhall haben sollte, konnten
die Düsseldorfer Buchhändler damals nicht ahnen.
Sie wollten ein Fest rund um das Buch gestalten, Literatur
öffentlich machen. Die Idee war so einfach wie durchschlagend.
Nach dem ersten Bücherbummel folgte ein zweiter, ein
dritter … Mittlerweile hat sich die Veranstaltung zu
einem mehrtägigen Festival entwickelt, ist bereits Anfang
des Jahres völlig ausgebucht und wartet zudem mit einem
begleitenden literarischen Programm auf, dass die Grenzen
dieser auf ehrenamtlichen Strukturen basierenden Privatinitiative
des Düsseldorfer Buchhandels bei weitem übersteigt.
Düsseldorf war und ist trotz Heine,
Ewers, Grabbe, Immermann oder Maiwald in seiner wechselvollen
Geschichte nie eine Literaturstadt. Aber eine Lesestadt. Schon
1817 erschienen hier sechs Zeitungen – drei davon täglich
– und das bei nur 22.653 „Seelen“. Hier
wurden im Dritten. Reich zuerst die Bücher verbrannt,
hier durfte aber auch nach dem Zweiten Weltkrieg – in
der britischen Besatzungszone – wieder eines der ersten
Bücher in Deutschland erscheinen: Im Schwann Verlag die
Geschichte der Kölner Heinzelmännchen von August
Kopisch, geschmückt mit zauberhaften Zeichnungen von
Lieselotte Neupert. Es wurde ein Riesenerfolg im Trümmerdeutschland.
Heute beherbergt die Stadt drei weltberühmte Literaturinstitute
und weit über 100 öffentliche und privatwirtschaftliche
Bibliotheken und Archive mit Millionen von Büchern und
Zeitschriften – und einen florierenden, engagierten
Buchhandel mit Bernd Gossens an der Spitze.
Das literarische
Leben ist rege.
Hier fanden (und finden in diesem Jahr wieder) bedeutende
regionale und überregionale Autorentreffen statt, hatten
Litfaßliteratur, Literaturtelefon und Literaturbüro
und eben auch der Bücherbummel ihren Ausgang. Hier wurde
die allererste Nacht der Kultur erfunden. Der Buchhändler
Joachim Mansch hatte die Idee und Volker Kaukoreit, Redakteur
in der Arbeitsstelle der Heine-Gesamtausgabe, organisierte
im Jahr 1988 die erste Nacht der Poeten in der KÖ Galerie.
Seither sind dort alle namhaften deutschsprachigen Lyriker
aufgetreten. Unvergessen der letzte Auftritt von Erich Fried,
unvergessen auch die 400 Begeisterten, die auf den Treppen
der Galerie sitzend, noch nachts um drei Peter Rühmkorf
lauschten, oder Ernst Jandl, der auf das Gebell eines Schäferhundes
antwortete: Ja, Du verstehst meine Sprache! 1998 erschließen
Petra Brandl vom WDR und Michael Serrer vom Literaturbüro
mit dem ersten Literatur-Schiff einen zusätzlichen königlichen
Boulevard. Heute ist die literarische Schiffsreise auf dem
Rhein Kult und immer Monate vorher ausgebucht. Zum diesjährigen
Bücherbummel-Jubiläum fahren deshalb auch zwei Schiffe.
Düsseldorf liest!
So soll es sein.
Auch bei schlechtem Wetter, denn auf das Wetter ist in Düsseldorf
Verlass: Beginnt der Bücherbummel, regnet es –
fast immer. Die transparenten Planen gehören für
die Teilnehmer zum wichtigen Inventar. Abdecken, zudecken,
abdecken. Doch für Bücherfans gibt es kein schlechtes
Wetter!
Wenn das Bild stimmt, dass Multimedia
die Welt zum globalen Dorf werden lässt, wird in dessen
Mitte ein Haus des Lesens stehen – oder wie der Altkanzler
Helmut Schmidt einmal sagte, eine geistige Tankstelle. Jährlich
im Juni tanken Hunderttausende Leserinnen und Leser an rund
hundert dieser Tankstellen auf der Königsallee in Düsseldorf.
Möge es so bleiben!
Klaus Lehmann
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